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Die Fulbe

Die Fulbe, auch bekannt unter dem Namen Peulh, Fullah oder Fulani, sind ein ursprünglich nomadisches, west- und zentralafrikanisches Hirtenvolk. Noch heute leben ihre Vettern in weiten Teilen Westafrikas als Nomaden. Allerdings ist die Mehrheit von ihnen im Zuge ihrer Islamisierung sesshaft geworden und errichtete ab dem 19. Jahrhundert eine Reihe von Königreichen zwischen dem Senegal und Kamerun. Bis zu ihrer Unterwerfung durch die Briten in den Jahren 1900 bis 1906 hatten sie einen Großteil Nordnigerias unter ihre Herrschaft gebracht. Heute leben die einzelnen Fulbe-Gruppen auf sehr unterschiedliche Weise: auf dem Land als Vollnomaden oder sesshafte Ackerbauern mit Viehzucht, in den Städten als Händler.



Ihre Eroberungen haben die Fulbe oft mit religiösen Motiven gerechtfertigt. Als berühmtester der zahlreichen historischen Anführer der Fulbe ging Usman dan Fodio (1745-1817) in die Geschichtsbücher ein, als er das Kalifat von Sokoto im Norden Nigerias gründete.
Die Fulbe gehören zu einer der großen Sprachgruppen Westafrikas und sind vom mittleren Senegaltal über den Westsudan bis in den Norden des heutigen Kamerun hin verbreitet. Es verbindet sie eine gemeinsame Sprache, das Fulfulde oder Ful. Allgemein wird diese Sprache aufgrund ihrer Grammatik als eine der komplexesten Sprachen überhaupt angesehen. Wer die Sprache nicht beherrscht, wird kaum hinter die mystischen Esoteriken dieser Stämme steigen.



Vom ethnologischen Standpunkt aus betrachtet sind die Fulbe ein sehr interessantes Volk, da die Herkunft bis heute nicht eindeutig geklärt ist. Um die Ursprünge der Fulbe ranken sich die abenteuerlichsten Theorien. Fest steht, dass die Ahnen der Fulbe vor mindestens 3000 bis 4000 Jahren in einer damals noch grünen Sahara umhergezogen sind, was Felsmalereien belegen. Die ursprünglich ausschließlich als Vieh züchtende Nomaden und Jäger lebenden Fulbe wanderten seit dem 10. Jahrhundert auf der Suche nach neuen Weidegründen mehr und mehr in Gebiete der schwarzafrikanischen Bevölkerung.
Die Fulbe nahmen schon sehr früh den islamitischen Glauben an, und im Laufe der Geschichte setzte sich dieses Nomadenvolk immer wieder kriegerisch für seine Religion ein. Die Entwicklung eines Kriegervolkes zu einer Gesellschaft mit politischer Strukturierung wurde erst möglich durch die Einbeziehung der ansässigen Bevölkerung und deren Annahme des Islam. Noch immer veranstalten die Fulbe zu bestimmten Anlässen, z.B. dem Ende des Ramadan, farbenprächtige Reiterspiele, so genannte Fantasias. Heutzutage spielen die Fulbe im gesamten Norden Kameruns als Großgrundbesitzer, Viehzüchter, Transportunternehmen und Politiker eine wichtige Rolle.



Traditionell befolgen die Fulbe einen strengen Kodex: den Pulaaku. Das Leben eines Pullo wird von dem Pulaaku bestimmt, der ihm sagt, wie er zu leben hat. Der Pulaaku gründet sich auf drei Säulen. Munyal, die Selbstbeherrschung, zwingt den Pullo, sich ruhig zu verhalten und seine Emotionen zu zügeln. Semteende, die Zurückhaltung, ist für den sehr introvertierten Pullo von großer Bedeutung. Die Weisheit hakkil ist eine der wichtigsten Eigenschaften des Pullo, der weise und gebildet sein soll, um sich selbst zu beherrschen und bescheiden zu leben. Ein Pullo darf sich selbst kein Anlass zur Schande sein, kennt keine Furcht und lügt nicht. Wer den Pulaaku nicht befolgt, ist kein Pullo mehr, sondern gehört zu den Ausgestoßenen.



In der Kultur der Fulbe steht die Kuh an erster Stelle. Nach der traditionellen Religion der Fulbe schuf der Gott geno die Welt aus einem einzigen Tropfen Milch, der ihm von der Urkuh Itoori gegeben wurde. Anschließend erschuf er die Kuh, den Mann und die Frau. Die Rinder sind das Wertvollste in ihrem Leben. Es kommt nicht selten vor, dass die Fulbe beim Verlust eines Tieres weinen oder bei Abhandenkommen der Herde sogar Selbstmord begehen. Die Milch wird als göttliches Wasser angesehen, welches unverwundbar macht. Rinder werden nur im äußersten Notfall verkauft und nur ganz selten, zu besonderen Festen geschlachtet. Die Rinder gelten nicht bloß als “Haustiere” sondern tatsächlich als Teil der Familie. Der Besitz möglichst großer Herden bedeutet mehr als rein materieller Besitz.
Die tiefe affektive, fast mystische Bindung an ihre Rinder zeigt sich deutlich in bestimmten Riten. So bekommt ein neugeborenes Kind gleich nach der Geburt außer seinem eigenen Namen noch den Namen eines ihm gewidmeten Jungtieres. Ein Leben lang bleibt der Mensch dadurch an sein Namenstier gebunden.



Die Gesellschaftsordnung der Fulbe kennzeichnet ein strenges Kastensystem. Handwerker und Bauern leben in eigenen Berufsverbänden, über denen die alten, noblen Familien stehen. Bei den Fulbe existieren vier große Clans, die sich jeweils in Unterclans gliedern. Die Bâ gelten als die Gelehrten im Bereich der Wissenschaft und in geistlichen und weltlichen Dingen. Die Diallo sind die disziplinierten Soldaten und Krieger des Volkes. Die Barry haben als Herrscher und Kaufleute die politische Macht inne. Die Sow, auch Initiatoren genannt, kennen sich am besten mit den heiligen Rindern aus. Diese Einteilung ist sehr schematisch. Die Übergänge zwischen diesen Clans sind heute mittlerweile fließend.



Besonders bekannt geworden sind die Fulbe durch ihren ausgeprägten Schönheitskult, der bei bestimmten sozialen Anlässen, wie z.B. bei den Brautwerbungsfeiern am Ende der Regenzeit, zu regelrechten Wettbewerben führt. Die Fulbe haben ein markantes Erscheinungsbild. Sie sind groß gewachsen und schlank, mit länglichem Gesicht, schmalen Lippen, etwas hellerer Haut als ihre Landesleute im Süden und einem stolzen Gang. Die Frauen fallen auf durch ihr langes, gewelltes Haar und ihren schönen, bunten Schmuck auf. Bei dem Gereol-Fest, einer Art „Brautschau“ zwischen September und November, werben die jungen Männer um die Gunst der schönsten Frau. Sie färben sich zu diesem Anlass ihre Augen- und Mundpartie mit Antimon schwarz ein, um das Weiß der Augäpfel und der Zähne zu betonen. Mit einem ockerfarbenen oder weißen Strich wird die Nasenlinie hervorgehoben.
Nur wer sich auffällig und vorteilhaft mit Gesten, Verrenkungen und Augenrollen in Szene zu setzen weiß, hat die Chance, von der Angebeteten beachtet zu werden.