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Reisebericht: DR Kongo – Zwischen marodierenden Soldaten und unberührten Landschaften

September 2008. Wir sind früh in Burundi gestartet und haben die Strecke zwischen Tanganyika-See und Kivu-See komplett auf der kongolesischen Seite zurückgelegt. Die Fahrt war spannend und sehr anstrengend. Es ist schon dunkel als wir das Hotel in Bukavu in der Demokratischen Republik Kongo erreichen.

Kongo – der Name steht heutzutage für marodierende Soldaten und Rebellen, Unstabilität und jahrzehntelangen Bürgerkrieg. Kongo – steht aber auch für unglaubliche Landschaften, unwahrscheinlich engagierte Menschen, endemische Flora und Fauna. Und genau deshalb sind wir hier.

Das gemütliche Hotel am Kivu-See ist Anlaufort zahlreicher Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, Wissenschaftlern und Abenteurern. Alle finden hier eine Oase im chaotischen afrikanischen Alltag und so verbringen wir die Nacht bei Wein und Bier und langen interessanten Gesprächen.

Im Kahuzi Biega Nationalpark: Weltweit einzige habituierte Flachlandgorilla-Gruppe

Am Morgen starten wir sehr zeitig und nach drei Stunden sind wir im Hauptquartier des Kahuzi Biega Nationalparks. Das Parkeingangsschild zeigt Einschusslöcher und ich bewundere die Ranger, welche trotz schwierigster Situation ihren Nationalpark bewachen und die weltweit einzigen Gruppen habituierter Östlicher Flachlandgorillas (gorilla beringei graueri) betreuen.

Nach kurzer Vorbereitung starten wir in Begleitung mehrerer bewaffneter Ranger. Der Weg führt durch dichtes Unterholz, Trockenwald und meterhohe Bambushaine. Nach drei Stunden erreichen wir einen dichten Regenwald und unsere Begleiter werden nervös. Direkt über uns in der Krone eines Regenwaldriesen sitzen sie – eine komplette Gorilla-Familie. Ohne unsere guides wäre ich darunter hinweg gelaufen, ohne sie zu sehen.

Friedliche Gorilla-Familie im Baum

Es ist faszinierend, wie wenig diese Riesen von unserer Anwesenheit Notiz nehmen. Genüsslich lassen sie sich die Früchte des Regenwaldes schmecken. Dann ein Prasseln und Knacken. Der massige Silberrücken bewegt sich und kommt keine 5 Meter von mir entfernt vom Baum geturnt. Herrlich sieht er aus. Wesentlich größer als die Berggorillas, mit silbernem Fell sitzt er in kürzester Distanz und seine sanften Augen mustern mich aufmerksam.

Beobachtungen im Gorilla-Alltag

Vorsorglich beruhigen meine Begleiter den Silberrücken mit kurzen Schnalz-Lauten, doch er ist um Dimensionen weniger nervös als ich es bin. Nachdem die Situation für ihn gefahrlos erscheint, folgen ihm die einzelnen Familienmitglieder. Sorgsam sichert eine Gorilla-Mutter ihr Neugeborenes beim Abstieg. Ich habe das wirklich große Glück, die gesamte Familie am Boden in direkter Nähe zu erleben und fasziniert folge ich dem quirligen Treiben.

Liebevoll kümmert sich der Silberrücken um seinen Nachwuchs, um kurze Zeit später mit gehörigem Brusttrommeln einen Streit zweier Halbwüchsiger zu schlichten. Viel zu schnell ist die Zeit verronnen, unzählige Bilder sind geschossen und sehnsuchtsvoll schaue ich Papa Silberrücken und Sohn hinterher, als sie langsam im Dickicht verschwinden…

Autor: Thomas Kimmel, September 2008

Eine sichere Reise in die DR Kongo mit Ausflug in den Kahuzi-Biega-Nationalpark